Wohnsitz anmelden oder ummelden: Frist, Unterlagen, Termin und die elektronische Anmeldung

Wer in Deutschland eine Wohnung bezieht, meldet sich nicht ab, sondern an: bei der Meldebehörde der neuen Wohnung, innerhalb von zwei Wochen nach dem Einzug. Das gilt gleichermaßen für einen Umzug innerhalb Deutschlands, im Sprachgebrauch oft Ummeldung genannt, und für den ersten Einzug nach der Ankunft aus dem Ausland. Die Abmeldung an der alten Adresse erledigt bei einem Umzug innerhalb Deutschlands das neue Amt von selbst. Mitzubringen sind der Ausweis und die Bestätigung des Vermieters; der Termin ist in vielen Städten die eigentliche Hürde. Alles Wichtige steht im Bundesmeldegesetz, das seit 2015 in allen Ländern gleich gilt; nur Termin, Gebühr für Bescheinigungen und der Onlineweg sind Sache der Kommune. Die Besonderheiten für Neuankömmlinge aus dem Ausland stehen weiter unten.

Wer sich anmelden muss

Jeder, der eine Wohnung in Deutschland bezieht, § 17 Absatz 1 BMG. Das gilt für Mieter und Eigentümer, für Hauptwohnung und Nebenwohnung, für Deutsche und Ausländer. Kinder werden von den Eltern angemeldet. Ausgenommen sind nur kurze Aufenthalte: Wer im Inland gemeldet ist und für bis zu sechs Monate anderswo wohnt, muss sich dort nicht anmelden; wer aus dem Ausland kommt, hat drei Monate. Wer in einer Beherbergungsstätte wohnt, ist erst nach sechs Monaten meldepflichtig.

Die Frist: zwei Wochen ab Einzug

Maßgeblich ist der Tag des Einzugs, nicht das Datum im Mietvertrag. Wer den Mietvertrag ab dem 1. hat, aber am 15. einzieht, meldet sich bis zum 29. an. Die Frist läuft auch, wenn das Amt keine Termine hat; wer nachweisen kann, dass er sich rechtzeitig um einen Termin bemüht hat, etwa mit dem Screenshot der Terminbuchung, ist geschützt. Fällt der letzte Tag auf ein Wochenende oder einen Feiertag, gilt der nächste Werktag; welche Tage das sind, hängt vom Bundesland ab, dazu Frist fällt auf einen Feiertag.

Das Bußgeld für eine versäumte Anmeldung beträgt nach § 54 BMG bis zu 1.000 Euro. In der Praxis bleibt es bei wenigen Tagen Verspätung meist bei einer Ermahnung; bei Monaten nicht.

Wo: die Meldebehörde der neuen Wohnung

Zuständig ist das Einwohnermeldeamt oder Bürgeramt der Gemeinde, in der die neue Wohnung liegt, nicht das der alten. In größeren Städten kann man jedes Bürgeramt der Stadt nutzen. Ob ein Termin nötig ist, wie lang die Wartezeit ist und ob es einen Spontanschalter gibt, legt jede Kommune selbst fest; in Großstädten sind Termine oft Wochen im Voraus vergeben, in kleineren Gemeinden geht es ohne.

Erste Anmeldung nach der Ankunft aus dem Ausland

Diese Anmeldung betrifft ausschließlich den Wohnsitz beim Einwohnermeldeamt oder Bürgeramt. Sie ist nicht dasselbe wie die Gewerbeanmeldung für ein eigenes Unternehmen, nicht die Anmeldung bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter und nicht die Schulanmeldung für Kinder; dafür sind andere Stellen zuständig, und es gelten jeweils andere Fristen.

Wer aus dem Ausland kommt und eine Wohnung bezieht, hat dieselbe Frist wie bei einem Umzug innerhalb Deutschlands: zwei Wochen nach dem Einzug, § 17 Absatz 1 BMG, unabhängig von der Staatsangehörigkeit und auch für EU-Bürger. Eine eigene, längere Frist allein für die Anmeldung selbst gibt es nicht.

Häufig kursiert die Angabe, bei Zuzug aus dem Ausland habe man drei statt zwei Wochen Zeit. Das betrifft eine andere Konstellation: § 27 Absatz 2 BMG befreit Personen, die sonst im Ausland wohnen und in Deutschland noch nicht gemeldet sind, von der Meldepflicht, solange ihr Aufenthalt nicht länger als drei Monate dauert, etwa bei einem längeren Besuch ohne eigene Wohnung. Wer dagegen von Anfang an eine Wohnung bezieht, fällt unter die normale Zweiwochenfrist aus § 17 Absatz 1 BMG. Dieselbe Vorschrift befreit umgekehrt Personen, die im Inland bereits gemeldet sind und zusätzlich bis zu sechs Monate anderswo wohnen, von einer Anmeldung dort; das betrifft aber keine Neuankömmlinge ohne bestehende Meldung. Von der Drei-Monats-Ausnahme ausgeschlossen sind unter anderem Asylbewerber in einer Aufnahmeeinrichtung oder zugewiesenen Unterkunft, § 27 Absatz 3 BMG.

SituationFrist für die AnmeldungBesonderheit
Umzug innerhalb Deutschlands2 Wochen nach EinzugAbmeldung an der alten Adresse entfällt, läuft automatisch
Erster Einzug nach Zuzug aus dem Ausland2 Wochen nach EinzugKeine eigene, längere Frist; ggf. Visum oder Aufenthaltstitel und beglaubigte Übersetzungen zusätzlich nötig
Vorübergehender Aufenthalt ohne eigene gemeldete WohnungErst nach 3 Monaten meldepflichtigNur, wenn im Inland noch keine Wohnung bezogen und keine Meldung besteht, § 27 Abs. 2 BMG

Bei den Unterlagen kommt für Neuankömmlinge in der Regel hinzu: der Pass im Original, bei Bedarf mit Visum oder bereits erteiltem Aufenthaltstitel, dazu die ganz normale Wohnungsgeberbestätigung wie bei jedem anderen Einzug. Sind Urkunden wie Heirats- oder Geburtsurkunde nicht auf Deutsch ausgestellt, verlangen manche Ämter eine beglaubigte Übersetzung; das ist kommunal unterschiedlich geregelt und lässt sich vorab beim zuständigen Bürgeramt erfragen.

In der Praxis wird die Anmeldebescheinigung oft an anderer Stelle zuerst gebraucht, etwa für den Termin bei der Ausländerbehörde wegen des Aufenthaltstitels, für die Eröffnung eines Bankkontos oder damit die Steuer-ID an der richtigen Adresse ankommt. Es lohnt sich deshalb, die Anmeldung so früh wie möglich zu erledigen, statt bis kurz vor Fristende zu warten.

Das genaue Verfahren unterscheidet sich von Kommune zu Kommune: ob ein Termin nötig ist, wie lang die Wartezeit ausfällt und ob die elektronische Anmeldung schon verfügbar ist. Das eigene Vorgehen steht auf der Website der zuständigen Gemeinde oder im Verzeichnis der Einwohnermeldeämter; gerade in Großstädten mit hoher Nachfrage lohnt sich eine frühe Terminsuche.

Welche Unterlagen Sie brauchen

  • Personalausweis oder Reisepass aller Personen, die angemeldet werden; bei ausländischen Staatsangehörigen der Pass, gegebenenfalls mit Aufenthaltstitel.
  • Die Wohnungsgeberbestätigung des Vermieters oder Eigentümers, § 19 BMG. Ohne sie nimmt das Amt die Anmeldung in der Regel nicht an.
  • Bei Familien, wenn die Behörde sie verlangt: Heiratsurkunde, Geburtsurkunden der Kinder. Wer zum ersten Mal in Deutschland gemeldet wird, sollte sie mitbringen.
  • Bei Anmeldung durch einen Bevollmächtigten: Vollmacht und die Ausweise der Anzumeldenden im Original. Das BMG erlaubt die Anmeldung durch andere; die Praxis der Kommunen unterscheidet sich.
  • Das Anmeldeformular, das viele Städte zum Vorab-Ausfüllen anbieten. Pflicht ist es nicht; das Amt füllt es sonst am Schalter.

Was es kostet

Die Anmeldung selbst ist kostenlos. Die Meldebehörde ändert die Anschrift auf dem Personalausweis mit einem Aufkleber und trägt die neue Adresse in den Chip ein; auch das kostet nichts. Gebühren fallen nur für Bescheinigungen an, die man zusätzlich beantragt, etwa eine Meldebescheinigung für die Bank; deren Höhe legt die Kommune fest.

Der Ablauf am Schalter

  1. Termin buchen, sobald das Einzugsdatum feststeht, notfalls vor dem Umzug. Der Termin darf nach dem Einzug liegen, auch außerhalb der zwei Wochen, wenn er der früheste verfügbare war.
  2. Unterlagen vorlegen. Der Sachbearbeiter erfasst die Daten, gleicht sie mit dem Ausweis ab und fragt nach Religionszugehörigkeit (für die Kirchensteuer) und nach weiteren Wohnungen.
  3. Anschrift im Ausweis aktualisieren lassen: Aufkleber auf der Rückseite, Änderung im Chip. Den Reisepass muss man nicht mitbringen; die Anschrift steht dort nicht.
  4. Meldebestätigung mitnehmen. Sie ist kostenlos und der Nachweis, dass die Anmeldung erfolgt ist; für viele Zwecke reicht sie statt einer gebührenpflichtigen Meldebescheinigung.
  5. Die Abmeldung an der alten Adresse erfolgt von Amts wegen; das neue Amt informiert das alte. Wer eine Nebenwohnung aufgibt, meldet sie dagegen selbst ab.

Die elektronische Wohnsitzanmeldung

Seit 2024 führen die Länder die Online-Anmeldung schrittweise ein. Sie läuft über ein Portal des Bundes mit dem Nutzerkonto des Bundes und der Online-Ausweisfunktion des Personalausweises: Man weist sich mit Ausweis und PIN aus, gibt die neue Anschrift ein, lädt die Wohnungsgeberbestätigung hoch oder nennt das Zuordnungsmerkmal des Wohnungsgebers, und erhält den Adressaufkleber für den Ausweis per Post. Die Chip-Daten werden über die AusweisApp aktualisiert.

Ob die Online-Anmeldung in der eigenen Kommune schon möglich ist, steht auf deren Website; die Einführung läuft nach Bundesland gestaffelt und ist nicht überall abgeschlossen. Wo sie geht, entfällt der Termin, und die Zweiwochenfrist ist leichter zu halten. Voraussetzung ist ein Ausweis mit aktivierter Online-Funktion und bekannter PIN, siehe Personalausweis: Online-Ausweisfunktion.

Sonderfälle

Zweitwohnung. Wer neben der Hauptwohnung eine weitere Wohnung bezieht, meldet sie als Nebenwohnung an, mit derselben Frist und derselben Bestätigung. Hauptwohnung ist die vorwiegend benutzte; bei Familien die vorwiegend von der Familie genutzte, § 22 BMG. Viele Städte erheben auf Nebenwohnungen eine Zweitwohnungsteuer; sie ist kommunal und liegt meist bei einem Prozentsatz der Jahresnettokaltmiete.

Umzug innerhalb derselben Gemeinde. Auch dann ist eine Anmeldung nötig; sie heißt im Sprachgebrauch Ummeldung, ist aber dasselbe Verfahren.

Wegzug ins Ausland. Hier ist ausnahmsweise eine Abmeldung nötig, § 17 Absatz 2 BMG: innerhalb von zwei Wochen nach dem Auszug, frühestens eine Woche davor. Dafür braucht es eine Bestätigung des Wohnungsgebers über den Auszug. Die Abmeldebescheinigung ist im Ausland oft wichtig, etwa für Rentenversicherung und Steuer.

Anmeldung ohne Wohnungsgeberbestätigung. Weigert sich der Vermieter, sollte man trotzdem innerhalb der Frist zum Amt gehen, den Mietvertrag vorlegen und die Weigerung schriftlich dokumentieren. Die Behörde kann den Wohnungsgeber selbst in die Pflicht nehmen; dem Einziehenden wird kein Verstoß angelastet.

Die häufigsten Fehler

  • Das Datum im Mietvertrag als Einzug angeben, obwohl man später eingezogen ist. Die Frist beginnt mit dem tatsächlichen Einzug; ein falsches Datum kann später bei Fristen für Kindergeld oder Wohngeld stören.
  • Die Wohnungsgeberbestätigung vergessen oder eine mit fehlenden Angaben mitbringen. Vier Angaben sind Pflicht: Wohnungsgeber und Eigentümer, Einzugsdatum, Anschrift, Namen der Einziehenden.
  • Die Ummeldung des Fahrzeugs übersehen. Die Zulassungsstelle erfährt vom Umzug nicht automatisch; die Anschrift im Fahrzeugschein muss gesondert geändert werden.
  • Behörden nicht informieren, die die Meldedaten nicht bekommen: Finanzamt, Familienkasse, Rentenversicherung, Krankenkasse, Beitragsservice. Nur die Steuer-ID wird automatisch mit der neuen Anschrift verknüpft.
  • Sich abmelden wollen. Bei einem Umzug innerhalb Deutschlands gibt es keine Abmeldung; das alte Amt wird von Amts wegen informiert.

Was danach passiert

Die Meldebehörde übermittelt die neue Anschrift automatisch an eine Reihe von Stellen: das Bundeszentralamt für Steuern für die Steuer-ID, die Kirchen für die Kirchensteuer, das Kraftfahrt-Bundesamt für das Fahreignungsregister, die Bundesagentur für Arbeit, den Beitragsservice der Rundfunkanstalten. Wer diese Post an der neuen Adresse bekommt, hat nichts falsch gemacht. Was nicht automatisch geht, steht in der Umzug-Checkliste unter der Rubrik Adressänderungen; der Beitrag zur Wohnungsgeberbestätigung erklärt das Dokument, das diese Anmeldung erst möglich macht.

Stand: 14. September 2026. Rechtsgrundlagen: §§ 17, 19, 21, 22, 27, 54 BMG. Termine, Wartezeiten, Gebühren für Bescheinigungen und die Verfügbarkeit der elektronischen Wohnsitzanmeldung legt die jeweilige Kommune fest.